Alle UNESCO-Projektschulen berichten jährlich über ihre Aktivitäten im zurückliegenden Schuljahr. Einzelne Abschnitte der Darstellung zu den Aktivitäten der einzelnen UNESCO-Projektschulen werden hier veröffentlicht.
Menschenrechts- und Demokratiebildung
Im Schuljahr 2022/23 hat sich das CEG erfolgreich dem Bewerbungsverfahren zur Anerkennung als Botschafterschule des Europäischen Parlaments unterzogen. Das EU-weite Programm wird in Deutschland vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments koordiniert und verfolgt das Ziel, Schülerinnen und Schüler für europäische Themen zu sensibilisieren, demokratische Prozesse erfahrbar zu machen und ein Netzwerk engagierter Schulen aufzubauen.
Im Zentrum des Programms stehen die aktive Auseinandersetzung der Lernenden mit der Europäischen Union sowie der Aufbau eines europaweiten Schulnetzwerks. Dies erfolgt insbesondere durch die Zusammenarbeit von Junior- und Seniorbotschaftern und Botschafterinnen, die in regelmäßigem Austausch mit anderen Botschafterschulen und dem Europäischen Parlament stehen.
Die Juniorbotschafter und Botschafterinnen nehmen eine zentrale Rolle ein, indem sie ihre Mitschüler an europäische Themen heranführen und ein bundesweites Netzwerk aktiver Schulen aufbauen. Der Leitgedanke „In Vielfalt geeint“ entspricht unmittelbar den UNESCO-Werten des interkulturellen Dialogs und der Verständigung über unterschiedliche Perspektiven hinweg.
Ein besonderer Höhepunkt war die bundesweit geöffnete Botschafterkonferenz Süd, die im Oktober am CEG ausgerichtet wurde. Über 150 Teilnehmende aus 30 Schulen diskutierten in Workshops und Debatten kontroverse europapolitische Fragen wie Migration, Verbraucherschutz, Klimaschutz und den Schutz demokratischer Institutionen. Lehrkräfte erprobten ein vom Europäischen Parlament entwickeltes Planspiel zur Demokratiebildung und reflektierten dessen Einsatz an verschiedenen Schulformen.
Die Veranstaltung ermöglichte authentische demokratische Lernprozesse, stärkte die Argumentations- und Dialogfähigkeit der Schüler*innen und förderte vernetztes Lernen im Sinne globaler und europäischer Verantwortung. Ein digitales Gespräch mit dem Europaabgeordneten Damian Boeselager (Volt) vertiefte diese Auseinandersetzung und bot Einblicke in parlamentarische Entscheidungsprozesse.
Die Konferenz zeigte eindrucksvoll, wie europäische Werte- und Menschenrechtsbildung am CEG nicht nur in Projekten, sondern strukturell verankert wird.
Global Citizenship Education
Im Rahmen der Global Citizenship Education ist das Erasmus+ Programm seit Jahren ein zentraler Bestandteil des Schullebens am CEG. Unsere Aktivitäten zielen darauf ab, interkulturelle Kompetenzen zu fördern, globale Zusammenhänge erfahrbar zu machen und die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewusstem, weltoffenem Handeln zu befähigen.
Die Verleihung des Erasmus+ Qualitätssiegels bestätigt die nachhaltige Verankerung europäischer und globaler Bildungsziele an unserer Schule. Die Auszeichnung würdigt unsere sorgfältige Planung, die gelungene Integration des Programms in das Schulprofil und die Vielzahl hochwertiger Austauschformate. Sie unterstreicht, dass die Werte von Offenheit, Respekt und Toleranz am CEG nicht nur thematisiert, sondern täglich gelebt werden.
Unsere langjährigen Partnerschaften mit Schulen in Polen, Schweden, Italien und der Türkei – sowie frühere Kooperationen etwa mit Spanien, Norwegen, Griechenland, Nordmazedonien und Rumänien – ermöglichen jährlich zahlreichen Lernenden intensive Begegnungserfahrungen und stärken nachhaltig das Verständnis für kulturelle Vielfalt. Durch die Bereitstellung von Programmmitteln können wir diese Lernchancen auch für Schülerinnen und Schüler mit weniger Ressourcen zugänglich machen und so einen zentralen Beitrag zu Chancengerechtigkeit und inklusiver globaler Bildung leisten.
Ein besonderer Schwerpunkt im Berichtszeitraum war erneut der Schweden-Austausch. Nach dem Besuch der schwedischen Gäste im Herbst verbrachten 24 Schülerinnen und Schüler eine Woche in Örebro. Neben dem Kennenlernen des schwedischen Alltags und des dortigen Schulsystems standen politische und gesellschaftliche Fragestellungen im Mittelpunkt. Beim Besuch der UN-Vertretung in Stockholm setzten sich die Lernenden intensiv mit der Agenda 2030 und ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung auseinander. Ein Rollenspiel am Karolinska-Gymnasium ermöglichte es ihnen, demokratische Diskurse praktisch zu erproben und die Bedeutung von Kompromissfähigkeit und Verantwortungsübernahme zu reflektieren.
Erasmus+ trägt damit maßgeblich dazu bei, unsere Schülerinnen und Schüler zu Global Citizens des 21. Jahrhunderts zu bilden – zu jungen Menschen, die globale Herausforderungen verstehen, kulturelle Vielfalt wertschätzen und aktiv Verantwortung für eine nachhaltige, friedliche Zukunft übernehmen. Für die kommenden Jahre planen wir, bestehende Kooperationen zu vertiefen und neue Partnerschaften zu knüpfen, um weiterhin vielfältige Lern- und Begegnungsmöglichkeiten in ganz Europa zu ermöglichen.
Welterbebildung
Die Welterbe-Bildung ist seit vielen Jahren fest im Schulprofil des CEG verankert. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die seit 2015 bestehende Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar ein. Durch diese Partnerschaft erhalten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie Referendarinnen und Referendare die Möglichkeit, das kulturelle Erbe Weimars – UNESCO-Welterbestätte und Kulturhauptstadt Europas 1999 – auf anspruchsvolle und praxisorientierte Weise zu erschließen.
Ziel der Kooperation ist es, innovative Vermittlungsformen zwischen Schule und dem Lernort Weimar zu entwickeln. Die gemeinsam konzipierten Exkursionsprogramme ermöglichen entdeckendes, selbstgesteuertes Lernen und verbinden Literatur-, Kunst- und Musikgeschichte zu einem umfassenden Zugang zum kulturellen Erbe. Der Kompetenzerwerb steht dabei gleichwertig neben der Wissensvermittlung – ein zentrales Prinzip der UNESCO-Welterbe-Bildung.
Besonders begabte Schülerinnen und Schüler können jährlich an Programmen wie dem Studium Generale (Cicerone-Projekt) und weiteren Formaten der Klassik Stiftung Weimar teilnehmen. Auch Referendarinnen und Referendare setzen sich im Rahmen ihrer Ausbildung vertieft mit Weimarer Bildungs- und Kulturkonzepten auseinander, insbesondere mit der in Weimar entstandenen humanistischen Bildungsidee um 1800 sowie den Reformansätzen des frühen 20. Jahrhunderts.
Ein aktuelles Beispiel für gelungene kulturelle Teilhabe stellt die Beteiligung von vier Schülerinnen und Schülern des CEG an der neuen Ausstellung „Faust – eine Ausstellung“ dar. Anlässlich des 250. Jahrestags von Goethes Ankunft in Weimar haben sie im Rahmen eines Kooperationsprojekts ein kreatives Reel produziert, das von der Klassik Stiftung Weimar veröffentlicht wurde und zur Ausstellung einlädt. Die positive Resonanz zeigt, wie authentisch und motivierend die Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe wirken kann.
Die Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar trägt somit wesentlich dazu bei, kulturelle Bildung, historisches Bewusstsein und verantwortungsvolle Welterbe-Kompetenzen langfristig zu fördern. Sie ermöglicht unseren Schülerinnen und Schülern unmittelbare Begegnungen mit europäischer Kulturgeschichte und eröffnet vielfältige Wege, das kulturelle Erbe aktiv mitzugestalten.