Alle UNESCO-Projektschulen berichten jährlich über ihre Aktivitäten im zurückliegenden Schuljahr. Einzelne Abschnitte der Darstellung zu den Aktivitäten der einzelnen UNESCO-Projektschulen werden hier veröffentlicht.
Menschenrechts- und Demokratiebildung
In diesen ereignisreichen Zeiten ist es wichtig, das Weltgeschehen anzusprechen und aufzuarbeiten. Durch die in Bayern eingeführte Verfassungsviertelstunde werden über das Schuljahr verteilt in den Jahrgangsstufen 6 und 8 in jedem Fach Inhalte des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung behandelt. Im Fokus stehen dabei vor allem die Grundsätze von Wahlen, Freiheit und Selbstverwirklichung. Wichtig ist uns außerdem, die Klassen- und Schülersprecherwahlen demenentsprechend durchzuführen.
Darüber hinaus werden verschiedene Fahrten thematisiert, geplant und durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse besuchten wie jedes Jahr die Synagoge in Augsburg und nahmen an einer Führung durch das Museum und die Synagoge selbst teil. Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse besichtigten das KZ-Außenlager Kaufering, während die 10. Klasse in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau fuhr.
Ein weiterer wichtiger Anlass ist der Tag der Menschenrechte, der im vergangenen Jahr zum zweiten Mal als Geburtstagsfeier begangen wurde. Zu diesem Anlass wurden die Menschenrechte in der Mensa ausgehängt. Die Schulband trug passende Lieder vor, und das Wahlfach Ernährung und Gesundheit beteiligte sich mit selbst gebackenen und gestalteten Geburtstagskuchen.
Interkulturelles Lernen und Zusammenleben in Vielfalt
Die UNESCO-Gruppe unterstützt regelmäßig mit kleinen Spenden die Armenschule „Escolinha Esperança“. Dabei handelt es sich um ein Nachhilfeprojekt für etwa 60 lernschwache Kinder, die eine öffentliche Grundschule in Areia im Nordosten Brasiliens besuchen.
Im vergangenen Schuljahr besuchte nur ein Kind ukrainischer Herkunft unsere Schule. Mit besonderem Fokus auf die Werte einer katholischen Schule soll es dabei unterstützt werden, sich in seiner Heimat zurechtzufinden.
Die Englandfahrt der 8. Klasse mit Unterbringung in englischen Familien ermöglichte wieder einmal einen einzigartigen und intensiven Einblick in eine fremde Kultur. Auch die Abschlussfahrten, zum Beispiel nach Wien und Paris, erweiterten die interkulturelle Bildung durch eigene Erfahrungen.
Die 6. Klasse besuchte wie jedes Jahr die Synagoge in Augsburg und nahm an einer Führung durch das Museum und die Synagoge teil.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
„Give me Five“-Aktion (Einwegflaschentausch)
Die Schülerinnen und Schüler der unteren Jahrgangsstufen können eine Mehrwegplastikflasche erhalten, indem sie fünf Einwegflaschen spenden. Damit soll aufgezeigt werden, dass es nachhaltige Alternativen zu den Problemen des Überkonsums und der Vermüllung der Biosphäre gibt.
„Handy-Sammelbox“-Aktion (Recycling)
Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte steht eine Recyclingbox bereit. Darin können ungenutzte oder kaputte Handys abgegeben werden, damit sie dem Recycling zugeführt und wichtige Ressourcen wieder in den Nutzungskreislauf zurückgeführt werden. Im Geographieunterricht wird das Thema zusätzlich behandelt und erläutert.
„Gesunde Pause“-Projekt (einmal pro Woche; Fachschaft Ernährung und Gesundheit)
Schülerinnen und Schüler bereiten gesunde Pausenbrote und Snacks zu, die die Schulfamilie erwerben kann. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Wirtschaftlichkeit, die Regionalität der Produkte und eine ansprechende Präsentation.
Fairtrade-Verkauf (im ersten Halbjahr wöchentlich)
Die UNESCO-Gruppe verkaufte eigenverantwortlich fair gehandelte Snacks zum Selbstkostenpreis, um Alternativen zu konventionell hergestellten und vermarkteten Produkten aufzuzeigen. Dabei kooperierte die Schule mit dem Weltladen der Fairtrade-Stadt Dillingen. Aufgrund der Anschaffung eines extern betriebenen Snackautomaten durch Gymnasium und Realschule ging der Verkauf so stark zurück, dass wir ihn einstellten, um uns auf neue Projekte konzentrieren zu können.
Fragebogen zum Weltumwelttag
Zum Weltumwelttag füllten die Schülerinnen und Schüler digital einen Fragebogen aus. Die Schulkoordinatoren werteten die Antworten aus und bereiteten die Ergebnisse grafisch auf. Diese wurden im Jahrbuch der Schule veröffentlicht. Es zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler gerne mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommen, wenn sie diese Möglichkeit haben. Da das Einzugsgebiet der Schule den gesamten Landkreis umfasst, ist dies für viele jedoch nicht möglich.
Global Citizenship Education
Wie in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern festgelegt, ist neben der Vermittlung von Wissen und Können auch die Bildung von Herz und Charakter ein grundlegendes Erziehungsziel.
Hilfreich dabei ist das Compassion-Praktikum („Empfindlichkeit für das Leid des Anderen“). Es besteht aus Vorträgen, Stationenarbeit und einem fünftägigen Praktikum in einem sozialen Berufsfeld in der Umgebung der Schülerinnen und Schüler. Dillingen ist der Hauptstandort von Regens-Wagner und bietet außergewöhnliche Arbeitsplätze sowie vielfältige Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Sie sind fest in das Stadtbild und das Leben vor Ort integriert – in einem Ausmaß, das in anderen Städten nicht selbstverständlich ist. Kindergärten und Schulen ermöglichten Einblicke „von der anderen Seite“, also in die Arbeit als Lehrkraft oder Erzieherin. So konnten exemplarisch Erfahrungen in sozialen Berufen gesammelt werden.
Die Englandfahrt der 8. Klasse mit Unterbringung in englischen Familien ermöglicht einen einmaligen und intensiven Einblick in eine fremde Kultur. Die Abschlussfahrt zu Beginn der 10. Klasse wird jedes Jahr genutzt, um über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und andere europäische Kulturen kennenzulernen. Im vergangenen Jahr führte sie nach Wien beziehungsweise Paris. Andere Sprachen, anderes Essen und andere Sehenswürdigkeiten ermöglichten viele neue Erfahrungen.
Ein weiterer großer Erfolg war die Aktion „Fit zur Schule – fit beim Lernen“ des Landratsamtes Dillingen. Viele unserer Schülerinnen und Schüler nahmen aktiv daran teil und kamen an mindestens 18 Tagen zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule.
In der Vorweihnachtszeit denken wir jedes Jahr an bedürftige Familien in Rumänien und beteiligen uns tatkräftig an der Malteser-Aktion „Glücksbringer“. Dabei packt und sammelt jede Klasse Pakete mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Spielen. Die Malteser verteilen diese anschließend an bedürftige Familien in Rumänien.
Risiken und Chancen im digitalen Zeitalter
Die Digitalisierung schafft ungeahnte Möglichkeiten. Das Schulwerk Augsburg schafft als Schulträger hier alle nötigen Vorkehrungen. Seit Jahren hat jeder Raum der Schule WLan, alle Lehrkräfte besitzen einen Dienst-Laptop und ein Dienst-iPad. Die gesamte Schülerschaft besitzt ebenfalls iPads, zuletzt finanziert über die Landesinitiative „Digitale Schule der Zukunft“, bei der die Eltern die iPads kaufen und eine Rückzahlung über 350 € erhalten. Diese Geräte werden aber über den Schulträger gehostet. So haben die Schüler während der Schulzeit nur eingeschränkten Zugriff auf Apps, Websites und Co. Mit der Ausgabe neuester iPads können die Lehrkräfte ab jetzt die Nutzung der Schülergeräte weiter einschränken und dafür sorgen, dass sie endlich als reines Arbeitsgerät angesehen und verwendet werden. Die Arbeit geschieht mit dem iPad, digitalen Stiften und einer Tastatur.
Vorträge unterschiedlicher Art werden jährlich für die Eltern angeboten aber nur teilweise wahrgenommen. Stattdessen beschweren sich eigene Eltern über die iPad-Nutzung in den eigenen vier Wänden, auf die die Schule keinen Einfluss hat. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig und die Eltern müssen sich selbst weiterbilden.
Die Schulfahrt in der 8. Klasse, bekannt als Besinnungstage, ermöglicht die Wahl eines Themas für die 2,5 Tage Fortbildung. Auch hier kann die Digitalisierung und Nutzung im Alltag reflektiert werden.
Seit dem vergangen Schuljahr wird die bayernweite Handyregelung sehr restriktiv vollzogen. Die SuS müssen zu Beginn des Schultages ihre Handys abgeben, diese werden eingeschlossen und am ende des Schultages erhalten sie diese zurück. Sollten einzelne SuS mit einem Handy oder ähnlichem erwischt werden, wird ein Verweis erteilt und bei mehrmaligem Vergehen können sie von der nächsten Schulfahrt ausgeschlossen werden.
Welterbebildung
Im Schuljahr 2025/26 reaktivierten wir den schulweiten UNESCO-Projekttag. Als Oberthema wählten wir das immaterielle Kulturerbe und verankerten es so an unserer Schule.
Was macht unsere Kultur aus? Welche Traditionen, Bräuche und Fertigkeiten verbinden Menschen über Generationen hinweg? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der St.-Bonaventura-Realschule beim diesjährigen Franziskustag, der ganz im Zeichen des immateriellen Kulturerbes stand. Als anerkannte UNESCO-Projektschule griff unsere Schule damit ein Thema auf, das aktueller kaum sein könnte: den Erhalt lebendiger Traditionen, regionaler Identität und gemeinschaftlicher Werte.
Bereits Wochen zuvor hatten die Lehrkräfte in Zweierteams insgesamt 22 unterschiedliche Workshops vorbereitet. Jeder Workshop widmete sich einem besonderen Aspekt des immateriellen Kulturerbes und machte deutlich, wie vielfältig dieses sein kann. Im Mittelpunkt standen die Bräuche, die heute noch praktiziert und weitergegeben werden.
Die Schülerinnen und Schüler lernten beim Kneippen die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp kennen, beschäftigten sich mit dem schwäbischen Dialekt, backten traditionelles Brot, gestalteten Spanschachtelanhänger nach Berchtesgadener Vorbild oder begaben sich auf den Ulrichspilgerweg durch Dillingen. Andere Gruppen erkundeten das Kloster der Dillinger Franziskanerinnen, beschäftigten sich mit christlichen Pilgertraditionen oder entdeckten regionale Sagen und Bräuche.
Auch typisch bayerische Traditionen fanden ihren Platz: Die Themenpalette reichte von Maibäumen, dem Leonhardiritt und dem Fasching in Bayern und Schwaben über Schafkopfen und Watten bis hin zur Bedeutung des regionalen Dialekts und einer bayerischen Rezeptsammlung. Kreativ wurde es beim Bau eines Alpenhorns, beim Abfüllen von Blumensamen oder beim Kennenlernen traditionellen Handwerks.
Alle Angebote hatten ein gemeinsames Ziel: Die Schülerinnen und Schüler sollten erkennen, dass Kultur weit mehr ist als historische Bauwerke oder Museumsstücke. Sie lebt von Menschen, die Wissen, Fertigkeiten, Sprache, Musik, Feste und Bräuche bewahren und an kommende Generationen weitergeben. Genau dieser Gedanke steht auch hinter dem UNESCO-Begriff des immateriellen Kulturerbes.
Mit großem Engagement wurde in den einzelnen Gruppen gearbeitet, diskutiert, ausprobiert, gestaltet und erlebt. Dabei entstanden Plakate, Modelle, Werkstücke, Präsentationen und kreative Ergebnisse, die am Ende des Tages im Rahmen eines gemeinsamen Gallery Walks in der Turnhalle ausgestellt wurden. So hatten alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die Arbeit der anderen Gruppen kennenzulernen und einen Eindruck von der beeindruckenden Vielfalt regionaler und kultureller Traditionen zu gewinnen.
Obwohl die Abschlussfahrten nicht bewusst danach ausgewählt werden, führen sie fast immer in Städte mit Welterbestätten. Zuletzt ging es nach Wien und Paris. Auch dabei werden die Bedeutung von Welterbestätten und die Schutzwürdigkeit kultureller Schätze vermittelt und erfahrbar gemacht.